Interview mit Bürgermeister Hingerl am 19.12.2016

Inhaltsverzeichnis:

1. Wussten Sie schon als Schüler, dass Sie Bürgermeister werden wollen?

2. Sind Sie in Ihrem Beruf glücklich? Was macht Ihnen besonders Spaß?

3. Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem früheren Beruf als Polizeibeamter und dem Amt des Bürgermeisters?

4. Warum sind Sie zur SPD gegangen?
Was ist Ihnen am Parteiprogramm besonders wichtig?
Die Antwort auf Frage 4 könnt ihr euch als Video ansehen.

5. Können Sie uns etwas über die aktuelle Flüchtlingssituation in Poing erzählen?
Wie viele sind hier in wie vielen Unterkünften? Werden noch mehr kommen?

6. Wie sind die weiteren Planungen für die Karl-Sittler-Grundschule?

7. Wird es in Poing ein Gymnasium geben?

8. Stimmt es, dass auf dem Marktplatz eine Eisfläche entstehen soll?

9. Gibt es Überlegungen für ein Schwimmbad in Poing, oder andere neue Freizeiteinrichtungen, z.B. Kino?

10. Wie stehen Sie der modernen Technik gegenüber? Sehen Sie mehr Vorteile oder eher Gefahren? Ist es wirklich sinnvoll die Kreidetafeln komplett aus den Grundschulen zu verbannen?

11. Können Sie uns das Punktesystem zur Förderung der Einheimischen in Poing erklären?

12. Sie sind seit 16 Jahren Bürgermeister von Poing. Welche Ereignisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Würden Sie etwas anders machen? Auf was sind Sie besonders stolz?

13. Werden Sie nochmal kandidieren oder haben Sie schon Pläne für Ihren Ruhestand?

 

 

Wussten Sie schon als Schüler, dass Sie Bürgermeister werden wollen?

Nein, wusste ich nicht, aber ich war schon in meiner Schulzeit häufig Klassensprecher. Ich glaube, das ist ein Zeichen, dass man sich für die Anderen interessiert, für die Schulgemeinschaft, aber auch für die, die sich vielleicht nicht immer selber helfen können. Irgendwo passt mein Werdegang schon zusammen von der Schule bis zum Beruf. Ich war vorher bei der Polizei und auch lange Jahre Personalrat.

nach oben

Sind Sie in Ihrem Beruf glücklich? Was macht Ihnen besonders Spaß?

Zum Beispiel diese Runde hier. Ich merke immer wieder, dass ich Freude habe, wenn Klassen kommen. Ich mag es, wenn man ins Gespräch kommt und wenn man das Gefühl hat, dass man etwas von seinem Leben erzählen darf.
Ich war nie ein Einserschüler, aber mir ist vollkommen bewusst, dass man lernen muss und dass man seine Situation so gestaltet, dass man später wählen kann, was man beruflich machen möchte. Diese Wahl ist nur da, wenn man sich Möglichkeiten durch Bildung schafft. Bildung ist ganz wichtig. Ich finde Bildung ist ein Geschenk.

nach oben

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem früheren Beruf als Polizeibeamter und dem Amt des Bürgermeisters?

Es gibt auf alle Fälle Überschneidungen, denn als Polizeibeamter ist man ja bestrebt, dass man den Bürgerinnen und Bürgern als Helfer zur Verfügung steht. Man kämpft gegen das, was ungerecht ist, was nicht erlaubt ist und sorgt dafür, dass Ruhe und Ordnung herrscht. Man möchte Vertrauen aufbauen und ist mit vielen Menschen zusammen. Und als Bürgermeister ist man ja auch für die gesamte Gemeinde verantwortlich, für Jung und Alt. Daher liegt mir alles, was in der Gemeinde Point passiert, sehr am Herzen. Ich möchte wissen, was die Menschen bewegt und Dinge positiv beeinflussen.

nach oben

Warum sind Sie zur SPD gegangen? Was ist Ihnen am Parteiprogramm besonders wichtig?

nach oben

Können Sie uns etwas über die aktuelle Flüchtlingssituation in Poing erzählen?

Wir haben derzeit vier Unterkünfte in Poing: Zwei kleine Unterkünfte, das sind Häuser, in der Anzinger Straße und in der Sultenstraße. Dort hat das Landratsamt 10-15 Männer untergebracht. Dann haben wir noch eine große Unterkunft: Das Arbeiterwohnheim in der Gruber Straße. Dort leben ungefähr 130 Asylbewerber. Und in Grub gibt es noch eine Traglufthalle. Dort ist Platz für ca. 200 Personen. Sie ist nicht planmäßig bezogen worden, sondern deshalb, weil die Traglufthalle in Pliening gebrannt hat. Die Asylbewerber wurden dann über Nacht nach Grub evakuiert, damit sie ein Dach über dem Kopf und etwas zum Essen haben. Geplant war ursprünglich die Halle in Grub wieder abzubauen. Nachträglich gesehen war es ein Fehler sie zu bauen. Sie soll durch Wohncontainer für 150 Leute ersetzt werden. Das wären dann kleinere Wohneinheiten. Wann das jetzt stattfindet, weiß ich nicht, geplant ist aber, die Leute wieder nach Pliening zurückbringen. Die Gemeinde Pliening hat allerdings das Grundstück gekündigt. Das heißt Ende April läuft der Grundstücksvertrag aus, dann muss die Halle dort abgebaut werden. Ob jetzt noch ein Umzug sinnvoll ist, das weiß ich nicht. Das liegt bei der Regierung von Oberbayern, die mit dem Landratsamt in Ebersberg zusammenarbeitet. Wir als Gemeinde sind außen vor. Wir sind nicht zuständig für die Unterbringung von schutzsuchenden Asylbewerbern, aber wir sind Partner, denn ohne uns kann kein Landratsamt und keine Regierung etwas machen. Ich bin nicht besonders zufrieden, wie das Ganze organisiert wird und abläuft. Da gäbe es meiner Meinung nach schon noch Verbesserungsbedarf.

nach oben

Wie sind die weiteren Planungen für die Karl-Sittler-Grundschule?

Geplant ist, dass Ende Juli die Vorbereitungen für den Umzug getroffen werden, das heißt das Mobiliar und andere Dinge werden in die Schule am Bergfeld umgezogen, die bis dahin fertig sein muss. Dann wird die Schule abgerissen. Wahrscheinlich wird es dann ein Riesen Verkehrschaos geben, weil es um die Baustelle eng wird. In zwei Jahren soll die neue Schule dann fertig sein, damit die Kinder zurückkommen können. Es ist ein Provisorium, ein Übergang. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, einen Platz für Container zu finden, in denen die Kinder von der Karl-Sittler-Schule untergebracht worden wären, aber das hätte uns ungefähr eine Million Euro gekostet. Und da ist uns die Lösung am Bergfeld lieber. Neben der neuen Grundschule dort sind auch zwei große Kindergärten geplant, so dass wir diese Räume auch übergangsweise nutzen können, da noch nicht so viele Kinder da sind. So sparen wir uns viel Geld, wir aber haben natürlich die Fahrtkosten und müssen den täglichen Transport der Kinder organisieren. Wir müssen Sammelstellen einrichten, da an der Karl-Sittler-Schule alles Baustelle sein wird. Eventuell nutzen wir dafür den Verkehrsübungsplatz bei der Polizei und noch eine weitere Sammelstelle im östlichen Teil. Da werden wir noch viel Kritik bekommen. Aber ich habe leider keine bessere Lösung. Eine neue Schule ist notwendig und es wird eng werden. Ich hoffe auf Unterstützung und Verständnis.

nach oben

Wird es in Poing ein Gymnasium geben?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es in Poing innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre ein Gymnasium geben wird. Mittlerweile sind die Wachstumsgrößen so, dass die Schülerzahlen der Gymnasien in Vaterstetten und Markt Schwaben ansteigen. Die Zahlen heute prognostizieren für Poing schon über 1000 Kinder. Natürlich kann man keiner bestehenden Schule die Schüler wegnehmen, nur weil sie aus Poing kommen. Das muss man wirtschaftlich betrachten. Markt Schwaben wächst momentan sogar noch schneller als Poing. Auch eine FOS/BOS und eine neue Berufsschule für den Landkreis sind im Gespräch. Die neueste Information ist, dass die FOS/BOS in Erding zu klein wird. Ab Januar soll es eine Probeeinschreibung geben, um den Bedarf abzuschätzen. Was es dann genau wird, muss man sehen. Es wurde bereits eine Arbeitsgruppe „Masterplan Schule“ eingerichtet, die die Schullandschaft in den nächsten Jahren planen soll. Momentan tut sich viel, und ich finde das auch gut.

nach oben

Stimmt es, dass auf dem Marktplatz eine Eisfläche entstehen soll?

Wenn wir keinen privaten Investor finden, dann gibt es keine. Die Gemeinde kann sich eine künstliche Eisbahn nicht leisten. Wir sind nicht Erding oder München, die das alleine finanzieren können.

nach oben

Gibt es Überlegungen für ein Schwimmbad in Poing, oder andere neue Freizeiteinrichtungen, z.B. ein Kino?

Wir werden ein neues Schulschwimmbad neben der Anni-Pickert-Grundschule bauen. Das ist die Planung für die nächsten Jahre. Ein Kino würde ich auch gerne in Poing haben, aber dafür brauchen wir einen Privatinvestor. Ich sag’ euch dann sofort Bescheid, wenn ich einen hab’, der ein Kino baut. Ihr wollt doch eins, oder? (Laute Zustimmung der Redaktion) Vielleicht kann ich das noch schaffen.

nach oben

Wie stehen Sie der modernen Technik gegenüber? Sehen Sie mehr Vorteile oder eher Gefahren?

Am besten müssen das die Lehrer wissen. Ich mache mich da jetzt nicht so wichtig, dass ich sage: Ich weiß, was für euch gut ist. Ich habe nichts dagegen und unterstütze die moderne Technik, welche aber sicher ihre Grenzen hat. Es gibt für alles eine gute Methode, aber ich denke, wir kommen an der modernen Technik nicht vorbei. Es soll aber pädagogisch schon einen Sinn haben. Wenn die Entscheidung falsch war, muss sie korrigiert und aus den Fehlern gelernt werden.

nach oben

Können Sie uns das Punktesystem zur Förderung der Einheimischen in Poing erklären?

Ein Einheimischen-Modell in Poing ist sehr sehr schwierig, weil die Grundstücke dafür einfach zu teuer sind. Sinn und Zweck eines Einheimischen-Modells war früher Familien mit vielen Kindern zu unterstützen. Die Gemeinde hat mit den Bauern (die hatten meistens die Grundstücke) verhandelt, und die Grundstücke dann günstig an die Bürger weiterverkauft. Früher war der Grund deutlich billiger und man konnte so Baugrund für die Bürger bereitstellen. Heute ist alles furchtbar teuer. Das Punktesystem soll ermitteln, wer die Förderung am dringendsten braucht. Wer wenig hat, soll mehr gefördert werden. Es gibt Punkte für Kinder, für wenig Vermögen und für die Jahre, die man in Poing gelebt hat. Es funktioniert aber nicht richtig. Die Menschen, denen ich eigentlich helfen möchte, können sich gar nicht bewerben, da die Kosten insgesamt zu hoch sind. Deswegen bin ich unzufrieden, denn das bisherige Einheimischen-Modell bezieht sich nur auf Häuser. Ich würde lieber Wohnungen bauen, denn dann könnten wir mehrere Familien unterstützen, und die Kosten wären niedriger. Noch besser wären vielleicht sogar günstige Mietwohnungen, aber damit sind die, die gerne ein Haus hätten, natürlich nicht zufrieden.

nach oben

Sie sind seit 16 Jahren Bürgermeister von Poing. Welche Ereignisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Da fällt mir der Tod von einem kleinen Mädchen ein, das bei uns im Bergfeld in einer kleinen Wasserfläche ertrunken ist. Das Wasser war eigentlich nicht tief. Vielleicht war sie ohnmächtig geworden oder ist gestürzt. Es wurde zu spät bemerkt und dann stellt sich die Frage, wer ist schuld. Das hat mich schon belastet.

nach oben

Werden Sie nochmal kandidieren oder haben Sie schon Pläne für Ihren Ruhestand?

Für den Ruhestand hätte ich schon Pläne, aber ob ich kandidiere, weiß ich jetzt noch nicht. In dem Jahr der Wahl werde ich 66 Jahre alt. Es ist die Frage, ob es für die Gemeinde gut ist, und auch für mich, wenn ich nochmal für sechs Jahre Bürgermeister werden sollte. Ich werde das dann entscheiden, wenn es soweit ist. Ich schätze mal spätestens 2019 muss ich mich entscheiden. Ich hab also noch ein bisschen Zeit. Bis dahin können wir noch ein Interview machen.

nach oben